Zum Erfolg von Karl Hauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Nach meiner Erfahrung entsteht Erfolg durch Zufälle. Wir alle gehen einen bestimmten Weg, auf dem es immer wieder Gabelungen gibt - mit Glück entscheiden wir uns für die richtige Abzweigung, mit Pech für die falsche. Ich hatte das Glück, mich auf meinem Lebensweg meist richtig zu entscheiden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Alles, was ich in den letzten 30 Jahren anpackte, habe ich auch zu einem guten Ende gebracht. Trotzdem empfinde ich mich nicht als überdurchschnittlich erfolgreich. Ich bin seit 1988 in Pension und sehr froh, daß ich mit dem Bezirksmuseum Landstraße eine Aufgabe habe, die mich erfüllt. Nur daheim zu sitzen, für Freunde zu kochen, meiner Frau im Haushalt zu helfen oder im Park Vögel zu füttern, würde mich nicht befriedigen. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich habe ein starkes Durchsetzungsvermögen und meinen Willen - auch gegen meine bisherigen Ehefrauen - immer durchgesetzt. Darauf bin ich rückblickend nicht stolz, weil ich meine Ziele wahrscheinlich auch auf einem anderen, etwas toleranten Weg erreicht hätte. Mit zunehmendem Alter wurde ich aber Gott sei Dank etwas rücksichtsvoller, umgänglicher und einsichtiger. Außerdem lernte ich, mich selbst zu akzeptieren, was früher nicht der Fall war. Erst als ich mit mir ins reine kam, stellte sich auch der Erfolg ein. Bei aller Nächstenliebe muß man zunächst sich selbst mögen - und das tue ich. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Hier kann ich nur einen Freund aus meiner Jugend nennen, der ein guter Musiker und Schauspieler war. Das imponierte mir, und ich versuchte, ihm nachzueifern. Sonst hatte ich eigentlich keine Vorbilder oder Förderer, es war mir immer wichtig, unabhängig zu sein.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Als Leiter des Bezirksmuseums Landstraße bekomme ich immer wieder „Streicheleinheiten“, auch von den politisch Verantwortlichen des Bezirks. Ganz besonders freue ich mich über Anerkennung von den Besuchern.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Anfangs war meine heutige Frau nicht recht glücklich, daß ich auch nach meiner Pensionierung für das Bezirksmuseum arbeite. Sie war der Meinung, daß uns dadurch zu viel gemeinsame Zeit verloren ginge. Für mich stand das aber nie zur Diskussion, weil ich ein aktiver Mensch bin und gern mit anderen Leuten zusammen bin. Mittlerweile hat sie das längst akzeptiert und ist sogar froh, daß ich nicht den ganzen Tag zu Hause sitze. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich habe meinen Söhnen immer zu vermitteln versucht, daß sie zu sich selbst stehen und sich für ihr Tun und Handeln verantworten müssen. Das hat offenbar gefruchtet. Sonst kann ich der jungen Generation raten, auf dem Gebiet, für das sie sich interessieren, so viel wie möglich zu lernen. Viel Lesen und Wissen anhäufen halte ich für ganz wesentlich.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich hoffe, daß wir die Gründung des Vereins zum Gedenken der jüdischen Opfer nach meinen Vorstellungen über die Bühne bringen, und ihn erfolgreich etablieren können. Sonst wünsche ich mir, in halbwegs guter Gesundheit möglichst lange zu leben.